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Helena Dorothea von Schönberg
geb. von Wallwitz
Von Heinz Krümmer
Helena Dorothea von Wallwitz wurde am 22. November 1729 auf Rittergut
Schweikershain als jüngste Tochter des Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn
Hans Joachim von Wallwitz, Obrist-Leutnant und Leipziger Kreiskommissar,
und Frau Johanna Sophia geb. von Bünau, geboren.

Sie vermählte sich am 24. September 1746 mit dem Obrist-Leutnant
Georg Anton von Schönberg (geboren am 13. Mai 1703), Erb-, Lehn-
und Gerichtsherr auf Limbach und Köthensdorf.
Ihr Gemahl führte 1753 die Serpentinsteinindustrie in Limbach ein.
Einige Zöblitzer Serpentinsteindrechsler übersiedelten nach
Limbach und begannen mit der innungsmäßigen Verarbeitung des
"Roten Marmors", zuerst im Rittergut von Limbach und später
im Hintergebäude der Konditorei Meyer am Johannisplatz. Der Serpentinstein
wurde aus dem "Marmorbruch" im Hohen Hain gewonnen.
Gemeinsam mit ihrem Gemahl stellte Frau Helena Dorothea für die sich
immer mehr ausbreitende Strumpfwirkerei und die neu aufgekommene Serpentinstein-Manufaktur
neue Baugebiete im Westen ihres grundherrlichen Terrains zur Verfügung.
Um auch den Frauen und Mädchen der zahlreichen Siedler auf dem Helenen-
und Dorotheenberg eine nutzbringende Beschäftigung zu gewähren,
errichtet sie in Limbach eine Spitzenklöppelfabrik. Ihr zur Seite
stand der erfahrene Marienberger Bergmeister Conrad Hertwig, der ihren
Gemahl bereits seit 1750 bis zu der am 24. Oktober 1751 erlangten kurfürstlichen
Genehmigung für den Serpentinsteinabbau maßgeblich unterstützte.
Er warb Klöpplerinnen aus dem Marienberger und Zwönitzer Raum
an und beschaffte das zum Klöppeln nötige Material an Zwirnen,
Briefen und gestochenen Mustern.
Georg Anton von Schönberg starb am 25. Juli 1755 an einem vorausgegangenen
heftigen Katarrhal-Fieber. Mit seinem Tod starb der letzte Sprosse des
seit 1538 auf Rittergut Limbach angesessenen, erhabenen und um Limbach
hochverdienten Geschlechts von Schönberg aus dem Hause Limbach-Mittelfrohna.
Zuvor beurkundete er mit seiner Gemahlin im Beisein des Amtshauptmanns
von Schütz auf Thum am 9. Juli 1755 das wechselseitige Testament
und setzte, da die Ehe kinderlos geblieben war, seine Frau als Universalerbin
für das Rittergut Limbach ein.
Der von ihrem Gemahl im Jahre 1754 begonnenen Neubau des alten Schenkgebäudes
(heute Lay-Haus, Felsenkeller) wurde inmitten des Siebenjährigen
Krieges von ihr fortgeführt und auch vollendet. In einem Gesuch vom
30. August 1757 an das Obersteuerkollegium des Kurfürsten zu Dresden
hat sie um Steuererlaß gebeten.
1764 wird der Bau des Kantoratsgebäudes auf dem jetzigen Kirchplatz
und 1768 das unter ihrer Leitung als Kirchenkollatorin von der Kirchgemeinde
erbaute neue Schulhaus, erwähnt.
Die Errichtung eines Armenhauses, das spätere Krankenhaus, wurde
1782 abgeschlossen.
Am 19. Juli 1769 wurden durch Blitzschlag fast alle Rittergutsgebäude
bis auf das massive Herrenhaus in Asche gelegt.
Der Wiederaufbau der Rittergutsgebäude und die hinzukommende Verweigerung
schuldiger Baudienste durch die Anspänner und Handfröner zu
Grüna und Reichenbrand war für sie mit großem Ärger
verbunden und dauerte fast fünf Jahre (1770-1775). Hinzu kamen die
gräßlichen Not- und Hungerjahre 1771 und 1772. Die Witterung
mit der langanhaltenden Nässe war sowohl für die Aussaat als
auch für die Ernte höchst ungünstig.
Die anhaltende Teuerung und das Hochwasser 1773 führten zu einer
allgemeinen Hungersnot. Gerade in dieser Zeit der Heimsuchung war die
fromme Christin Helena Dorothea nach allen Kräften bemüht, Barmherzigkeit
an ihren notleidenden Limbacher Untertanen zu üben.
Die Erweiterung des Dorfes Limbach nach Westen ist das hohe Verdienst
der edelgesinnten Frau Helena Dorothea von Schönberg und ein Beweis
ihres vorbildlichen Gemeinsinns.
Hätte sie dem aufstrebenden Dorf Limbach nicht ihre fördernde
Hand geboten, so hätte sich in der künftigen Zeit das Dorf Limbach
nicht als Hauptsitz der Strumpfwirkerei behaupten und die spätere
industrielle Entwicklung mit der 1883 erfolgten Stadtgründung bis
in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts nicht vollziehen können.
Mit Unterstützung ihres Bruders, dem Konferenzminister und Reichsgrafen
Georg Reinhardt von Wallwitz auf Schweikershain, konnte Helena Dorothea
die im Jahre 1785 von Kurfürsten erfolgte Bestätigung der 30
Innungsartikel der immer mehr aufblühenden Limbacher Strumpfwirker-Innung
erreichen. Limbach wurde somit ein Zentrum der sächsischen Strumpfwirkerindustrie.
Zur Stadtgründung 1883 zählte die Limbacher Strumpfwirkerinnung
528 Meister und 250 Gesellen.
Ein weiterer Verdienst von Helena Dorothea von Schönberg ist die
Erhebung Limbachs zum Marktflecken. Ihr "demütigstes Ansuchen"
an den Kurfürsten Friedrich August vom 18. Juni 1794 führte
am 2. Oktober 1795 zur Erteilung der Konzession für die Abhaltung
von jährlich zwei Jahrmärkten. Der erste Jahrmarkt wurde am
Mittwoch nach dem 1. September 1796 im Hofe der Rittergutsschäferei
Limbach abgehalten und von bis zu 600 Handelsleuten besucht.
Das Markttreiben fand dann später auf dem Ludwigsplatz, der Kellerwiese,
dem Altmarkt (vor dem heutigen "Lay-Haus) oder dem Johannisplatz
statt.
Das Marktrecht und die dazu nach der Konzessionserteilung nachgereichte
Urkunde des Kurfürsten vom 4. November 1795 waren ein wesentlicher
Schritt für Limbach vom bedeutungslosen Dörfchen zur späteren
Stadt.
Am 29. März 1799 endete das mühevolle und schicksalsreiche Leben
der Helena Dorothea von Schönberg. Ihre Beisetzung erfolgte in der
Limbacher Kirche an der Seite ihres bereits 1755 verstorbenen Gemahls.
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