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Kardinal Nikolaus v. Schönberg/Rothschönberg
(1472-1537)
Von Dr. Rüdiger Frhr. v. Schönberg
1961 erschien im Theologischen Jahrbuch des St. Benno – Verlag,
Leipzig, von Hermann Hoffmann ein Aufsatz über die „Die Sächsischen
Kardinäle“. Darin erinnert Hoffman an den Kardinal Nikolaus
von Schönberg, den Sohn Dietrichs von Schönberg auf Roth-Schönberg
und der Katharina von Maltitz. Zwei Brüder seines Großvaters
Nikolaus waren Bischöfe von Meißen, Kaspar (* 1463) und Dietrich
(* 1476) von Schönberg, der Vetter des Vaters war Bischof von Naumburg,
Dietrich von Schönberg (+1492); diesem folgte als Bischof von Naumburg
dessen Neffe, Johannes von Schönberg (+ 1517). Von Seiten der Mutter
war der Vetter Johannes von Schleinitz von 1518 bis 1539 Bischof von Meißen.
Diesem folgte ein anderer Vetter, Johann von Maltitz.

Nikolaus wurde – nach unseren Stammtafeln am 11.August 1472 zu
Meißen geboren. Hoffmann schreibt: „Vorzüglich veranlagt,
wohlerzogen und tüchtig vorgebildet, zog er nach Italien, um dort
seine wissenschaftliche Ausbildung zu vollenden. Bereits war er Domherr
von Naumburg – wie später seine Brüder Hans der Ältere
und Dietrich -.In Pisa studierte er Jura und wurde zum Dr. jur . promoviert.“
Die Predigten Savonarolas in Pisa im Jahr 1495 veranlassten Nikolaus,
von diesem das Ordenskleid der Dominikaner zu erbitten. Am 31. Oktober
1498 legte er die Ordensgelübde ab, setzte seine Studien in Florenz
fort und wurde zum Dr. theol. promoviert. Umfassend gebildet, auch in
Mathematik, Astronomie, Medizin und Erdkunde, war er zudem vieler Sprachen
kundig. Im Auftrag seines Ordens reiste er viel, zweimal war er in Jerusalem,
länger in der Türkei. Zu wissenschaftlichen Zwecken hielt er
sich in Neapel, Bologna, Paris, Oxford, Salamanca auf. 1506 wurde er Prior
von S. Marco in Florenz, reiste aber bald nach Brügge und besuchte
zwischendurch den berühmten Abt Trithemus in Sponheim. 1508 wurde
er vom Ordensgeneral, dem späteren Kardinal Cajetan zum Generalprokurator
des Ordens bei der Kurie. Papst Julis II schätze ihn. Als Professor
der Theologie an der Sapienza in Rom hielt er vor dem Papst und den Kardinälen
berühmt gewordene Advents- und Fastenvorträge. 1512 erschienen
diese erstmals im Druck.
Herzog Georg von Sachsen ernannte Nikolaus zu seinem Prokurator für
das fünfte Lateran-konzil (1512 – 1517). Papst Leo X schickte
ihn als Legaten an die Höfe der Fürsten, um diese für einen
Kreuzzug gegen die Türken zu gewinnen. So verhandelte er mit Kaiser
Maximilian und den Königen von Frankreich und England. Hoffmann meint,
wegen der Unentschiedenheit des Papstes sei daraus trotz der wachsenden
Türkengefahr aus diesen Bemühungen nichts geworden. Das gilt
auch für die anschließende Mission, die ihn nach Osten, zum
Kaiser nach Innsbruck, nach Ungarn, zum polnischen Hof, zum russischen
Großfürsten und zum Hochmeister des Deutschen Ritterordens
führte. Über diese Mission berichtet die 1891 in Greifswald
erschiene Dissertation von Willy Buddee „Zur Geschichte der diplomatischen
Missionen des Domikaners Nikolaus von Schönberg bis zum Jahre 1519“.
Am 12. 9. 1520 wurde er Erzbischof von Capua, auch Abt von Casamari. Beinahe
wäre er damals, obwohl noch nicht Kardinal, statt Hadrian VI, dem
Kardinal von Utrecht, 1521 zum Papst gewählt worden.
Als Giulio Medici 1523 Papst wurde (Julius) rief er Nikolaus als Berater
nach Rom. Nikolaus war kaiserlich gesinnt, sein Gegenspieler war Giberti.
Dieser und mit ihm der Papst fürchteten die Umklammerung des Kirchenstaates
durch den Habsburger Karl V, den Kaiser und König von Spanien. Kriege
und Schlachten blieben nicht aus. Rom wurde geplündert – Sacco
di Roma. Erst der Damenfrieden von Cambrai, ausgehandelt von der Tante
des Kaisers Margarethe, der Statthalterin der Niederlande, und der Mutter
König Franz I von Frankreich, aber vermittelt von Nikolaus von Schönberg,
schuf wieder Ruhe.
In der nächsten Papstwahl,1534, wurde Alexander Farnese gewählt.
Als Paul III ernannte am 21. 5. 1535 Nikolaus zum Kardinal. Dessen neue
Aufgabe war die Vorbereitung des großen Reformkonzils, des Konzils
von Trient. Er hat es aber nicht mehr erlebt. Am 10. 9. 1537 starb Nikolaus
in Rom und wurde in S. Maria sopra Minerva beigesetzt.
Hoffmann würdigt ihn als einen Mann, der Geist und Herz für
die Wissenschaft offen gehabt habe. Die Geschichte kennt ihn als Freund
eines Thomas Morus, als den Schützer eines Kopernikus. Das Lob, das
der Reformator Philipp Melanchton ihm 1538 spendet, zeigt ihn in einem
Licht, das in diesem Jahrhundert vielleicht wieder leuchten und zur Verständigung
führen mag: „In Rom war allein der Kardinal von Capua, Schönberg,
der Friedensmittler (pacis autor), der bereit war, Zugeständnissse
zu machen. Ihn habe ich für den billigst Denkenden gehalten, und
das bestätigen auch die Briefe meiner Freunde, die sie jetzt nach
seinem Tode schreiben; die Grundsätze haben sich dort nach seinem
Ende sehr geändert.“

Übersetzung der Grabmal-Inschrift:
„Dies sind die Insignien des Predigerordens. An einem unscheinbaren
Ort, den Du Leser hast, liegt der begraben, der durch bewundernswürdige
Kenntnis der Dinge, der katholischen Lehre und durch Frömmigkeit
ausgezeichnet gewesen ist, (nämlich) Nicolaus von Schönberg,
von Abstammung ein Schwabe, Predigermönch und zum Kardi-nal von Capua
von Papst Paul III. kreiert. Das vornehme Geschlecht, dem er entstammte,
veredelte er durch Tugend. Nach seinem Tode ist er noch größeren
Lobes würdig, da er, ein Sterbender, dafür sorgte, daß
er sich diesem Lobe entzieht. Er lebte 65 Jahre und 29 Tage und starb
im Jahre Christi 1537.“
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